Ausflug auf Bell Island

Nachdem die Immigrationsformalitäten in den frühen Morgenstunden tatsächlich abgewickelt werden konnten und die russischen Offiziere wieder an Land gebracht wurden, können wir uns auf den Weg machen, Franz-Josef-Land zu erkunden. Unsere erste Anlandung führt uns zur Insel Bell, ein historischer Ort, den wir uns nicht entgehen lassen wollen. Der dort thronende Berg erinnert stark an eine Glockenform, woher der Name „Bell“ (= Glocke) rührt. Die Insel wurde 1880 von der Britischen Exkursion unter der Leitung von Benjamin Leigh Smith entdeckt. Damals errichteten sie eine Hütte, die nach ihrem Schiff benannt wurde: „Eira Lodge“. Diese Hütte ist die einzige historische Hütte in ganz Franz-Josef-Land, die noch vollständig erhalten ist. Schon der Weg zur Hütte hält einige Überraschungen bereit. In dem unwegsamen Gelände finden wir zahlreiche Moose und Pflanzen, die auch hier im Norden der arktischen Kälte trotzen und den kurzen Sommer zum Blühen nutzen. Als wir näher kommen und die Hütte nun deutlich im Nebel erkennen können, sind wir erstaunt, wie gut sie erhalten ist. Nur ins Innere können wir nicht gehen, wir wollen verhindern, den feuchten Boden zu beschädigen. Dennoch können wir durch die offene Tür die zahlreichen Eingravierungen im Inneren bestaunen, auch an der Außenwand sind welche zu finden. Wir haben genug Zeit die Hütte und die nähere Umgebung zu erkunden, selbstverständlich immer in Begleitung der Ranger, die nach Eisbären Ausschau halten – keine leichte Aufgabe im Nebel.

Nach unserer Rückkehr auf die MV Sea Spirit und einem üppigen Abendessen kündigt sich Wetterbesserung an. Der Nebel lichtet sich plötzlich und innerhalb kürzester Zeit haben wir einen atemberaubenden Blick auf die ins Wasser ragende Eiskappe auf der Nebeninsel Mabel und den glockenförmigen Berg auf der Bell Insel. Selbst die „Eira Lodge“ ist in der Ferne noch zu erkennen. Der Kapitän beschließt noch zwei weitere Stunden zu bleiben, damit wir die traumhafte Aussicht auch zu genüge geniessen und festhalten können, bevor wir erschöpft aber mit vielen neuen Eindrücken schlafen gehen.