Ein Tag voller Überraschungen

600 400 Elena Stautzebach

Heute machen wir uns auf den Weg zum wohl historischsten Anlandepunkt von Franz-Josef-Land: Kap Tegetthoff. Genau hier wurde die Inselgruppe von der Expedition Payer-Weyprecht 1873 entdeckt. Aufgrund der südlichen Lage des Kaps, ist es den Elementen stark ausgesetzt und eine Anlandung sehr selten möglich. Doch wir haben grosses Glück: Es ist windstill, die Sonne scheint und das Meer ist erstaunlich ruhig. Als sich das Expeditionsteam gemeinsam mit den Rangern auf den Weg macht, um den Strand zu erkunden, entdecken Gäste schon von weitem einen weissen Punkt, der sich bewegt: ein Eisbär! Die geplante Anlandung wird also wieder abgesagt und im Gegenzug eine Zodiacfahrt an der Küste entlang organisiert. Es gibt viel zu entdecken: bizarre Steinformationen, knackendes Eis, die Reste der Hütte die an Land errichtet wurde und natürlich den Eisbär, der sich nun in der Sonne ausruht.

Auf der Rückkehr fahren wir  zu einem grösseren Eisberg, der in der Sonne glitzert und sanft in den Wellen schaukelt. Die Sonne wärmt uns und wir geniessen das gute Wetter, bevor wir zum Mittagessen zurück zum Schiff fahren. Am Nachmittag erwartet uns eine Überraschung. Das Expeditionsteam hat den Eisbären die letzten Stunden gut beobachten können; er verhält sich dermaßen ruhig, dass wir eine kurze Anlandung probieren können. Die Sicherheitsmassnahmen werden natürlich verstärkt und es dürfen immer nur 10 Gäste gleichzeitig für 5 Minuten an Land. Genug Zeit um diesen historischen Ort und die Präsenz des Eisbären auf sich wirken zu lassen. Ein einmaliges Erlebnis!

Nach der Rückkehr aufs Schiff treffen wir uns alle zum täglichen Tagesrückblick und Ausblick für morgen. Wir sind sehr überrascht, als wir erfahren, dass wir schon morgen wieder aus Franz-Josef-Land ausreisen müssen. Der Grund ist die derzeitige Meereissituation: Eine Strömung hat das Meereis Richtung Süden gedrückt und die prognostizierte Windrichtung zeigt, dass das Eis in die Bucht Nagurskoya treiben wird. Genau dorthin müssen wir aber, um ausreisen zu können und die Ranger zu ihrer Station zurückbringen zu können. Wir dürfen also keine Zeit verlieren, damit wir dabei nicht selber vom Eis eingeschlossen werden! Der neue Kurs ist also wieder Richtung Alexandra Land, um uns von Franz-Josef-Land zu verabschieden.

Elena Stautzebach
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Elena Stautzebach

Elena Stautzebach studiert Naturwissenschaften, Fachrichtung Meteorologie und Gletscherkunde an den Universitäten Wien und Innsbruck. In den Wintern 2014 und 2015 überwinterte sie in der Forschungssation Neumayer III auf dem antarktischen Festland.

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