Eisbär gesichtet!

600 338 Elena Stautzebach

Heute dreht sich alles um die notwendige Flexibilität während einer Arktis-Reise. Der Morgen beginnt mit einer Planänderung: Die ursprünglich geplante Zodiac-Fahrt kann durch eine Anlandung auf der Insel Hayes ersetzt werden. Eine Möglichkeit, die sich aufgrund der derzeitigen Bedingungen ergeben hat. Wie vor jeder Anlandung suchen die russischen Ranger die Umgebung nach Eisbärenspuren ab. Sollte sich ein Eisbär in der Nähe befinden wäre eine Anlandung zu gefährlich. Wir sind alle freudig überrascht, als uns folgende Durchsage erreicht: Es wurde ein Eisbär beim Fressen einer Robbe gesichtet!

Aus der Anlandung wird also wieder eine Zodiac-Fahrt, in der Hoffnung den Eisbären vom Wasser aus beobachten zu können. Zur Sicherheit nehmen viele ein Fernglas mit, um den Eisbären gut erkennen zu können. Die Spannung steigt während der etwas längeren Überfahrt, die Boote müssen aus Sicherheitsgründen nah beieinander bleiben. Als wir ihn endlich sehen, sind wir erstaunt wie nah wir tatsächlich an den König der Arktis heranfahren können, nur ein paar angeschwemmte Eisschollen trennen uns von dem schneeweissen Tier. Der Eisbär geniesst seine Mahlzeit und schnappt nur manchmal in Richtung der Möwen, die versuchen etwas von der üppigen Mahlzeit zu klauen. Er zeigt sich uns von allen Seiten; fasziniert beobachten wir ihn und sind überaus glücklich, den König der Arktis in seinem natürlichen Lebensraum erleben zu dürfen. Wir erfahren später, dass es sich wohl um ein junges männliches Tier handelt.

Nach dieser tollen Begegnung machen wir uns am Nachmittag auf den Weg zum Kap Heller. Die Anlandung steht wieder ganz im Zeichen der Polargeschichte. Während der Expedition Wellmann wurde ein Depot auf der Insel errichtet, das über den Winter von zwei Norwegern bewacht wurde. Sie lebten unter primitivsten Bedingungen, nur geschützt von einer Hütte gebaut aus Steinen und überdacht mit Wallrosshaut. Ein paar übriggebliebene Steinwände erinnern noch an diese Überwinterung und wir hören gespannt dem Expeditionsteam zu, um mehr von dieser unglaublichen Geschichte zu erfahren. Uns bleibt anschließend noch genügend Zeit, die Landschaft und das gute Wetter zu geniessen bevor wir wieder zur MV Sea Spirit zurückkehren.

Elena Stautzebach
AUTOR

Elena Stautzebach

Elena Stautzebach studiert Naturwissenschaften, Fachrichtung Meteorologie und Gletscherkunde an den Universitäten Wien und Innsbruck. In den Wintern 2014 und 2015 überwinterte sie in der Forschungssation Neumayer III auf dem antarktischen Festland.

Alle Beiträge von: Elena Stautzebach

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.