Im Banne des ewigen Eises

Der Tag beginnt windig: Windspitzen um 30 Knoten werden vorhergesagt und das Meer ist dementsprechend rau. Wir haben in der Nacht die Insel Aldger verlassen und sind Richtung Norden zur Insel Champ gefahren. Ein kleiner Kanal trennt diese von der Nachbarinsel Salisbury, genau diesen wollen wir heute Vormittag mit den Zodiacs erkunden. Die Fahrt zwischen MV Sea Spirit und dem Kanal ist aufgrund des Windes leicht holprig, auch ein paar Eisschollen müssen wir umfahren. Doch der Weg lohnt sich: Bei Einfahrt in den windgeschützten Kanal ist das Meer plötzlich flach und wir können den atemberaubenden Rundumblick geniessen. Sowohl die Insel Champ als auch die Insel Salisbury sind, wie ein Grossteil Franz-Josef-Landes, von gigantischen Eiskappen bedeckt. Auf beiden Seiten des Kanals ragen diese ins Wasser und kalben regelmässig. Daher befinden sich zahlreiche Eisberge unterschiedlicher Größen und bizarrster Formen um uns herum. Der bedeckte Himmel ist diesmal von Vorteil und wir können die tiefblauen Farben mancher Eisbrocken gut erkennen.

Wir geniessen die Stille, beobachten die Bewegungen des Eises und halten Ausschau nach Robben. Ein Funkspruch erinnert uns allerdings daran, dass Eis auch manchmal zur Gefahr werden kann. Von Norden nähern sich grössere Eismassen, die uns zwingen zurück zum Schiff zu fahren. In der Zwischenzeit hat der Wind leicht zugenommen, die Wellen klatschen von der Seite gegen die Zodiacs, doch die erfahrenen Fahrer bringen uns alle noch trocken zurück zu MV Sea Spirit. Unsere Anlandung am Nachmittag führt uns zu Camp Triest, dort haben sich über Jahrhunderte sogenannte „Spherolythen“ geformt. Diese perfekt runden Steine sind unterschiedlich gross, zwischen 1 Millimeter bis zu 3 Meter Durchmesser! Trotz starkem Wind mit Spitzen bis zu 45 Knoten hören wir gespannt dem Geologen Aaron zu, der uns die Entstehung dieses Naturphänomens erklärt. Der Kern besteht meist aus einem Fossil, an dem sich in der Strömungsrichtung des Wassers Kalk ablagert. Der entstehende Stein bewegt sich mit der Strömung und daraus resultiert diese runde, abgeschliffene und faszinierende Form. Während unserer Anlandung lässt das Wechselspiel zwischen Sonne und Wolken die Umgebung fast unwirklich erscheinen; wir sind froh, dass uns der Nebel heute verschont hat und wir den Blick ins Weite geniessen konnten.