Planänderung

Schon früh am Morgen lichtet sich der Nebel, der sich in der taghellen Nacht wieder ein paar Stunden auf Franz-Josef-Land herabgesenkt hatte. Wir können in der Ferne auch schon unser nächstes geplantes Ziel, die Geographers Bucht auf Prinz-George-Land, erkennen. Leider sehen wir aber auch das viele Eis, das sich vor der Bucht gesammelt hat. Der Wind hatte nachts auf Nord gedreht und drückt das Meereis immer weiter nach Süden in Richtung der Bucht. Ein Durchkommen ist unmöglich. Also muss ein Plan B gefunden werden: Unser neues Ziel ist die Insel Aldger, ein Privileg, da diese Anlandung, wie wir später erfahren, dieses Jahr einmalig sein wird.

Auf der Insel befinden sich noch Teile der zwei Hütten, die während der zweiten Ziegler-Expedition 1903-1904 errichtet wurden. Eine der achteckigen Hütten ist noch deutlich erkennbar, selbst kleinere Alltagsgegenstände sind noch zu finden. Wir geniessen einen geführten Rundgang und versuchen mit den Guides gemeinsam, möglichst viele Details zu erkennen und die Geschichte zu rekonstruieren. Da das Gelände für sicher empfunden wird und das Wetter gut ist, können wir diesmal auch eine Wanderung entlang der Küste machen. Neben einem Walrossskelett und frischen Fuchsspuren entdecken wir auch Elfenbeinmöwen, eine sehr seltene, aber aufgrund ihres weissen Gefieders sehr majestätische Vogelart. Leider sehen wir auch viel Plastik und Fischnetze, die mit den Meeresströmungen bis nach Franz-Josef-Land transportiert werden. Wir zögern nicht lange und sammeln den Müll, den wir entlang unserer Route finden können, um ihn anschliessend mit den Zodiacs an Bord zu bringen. Unsere Wanderung geht weiter und wir werden nun von drei Rangern begleitet.

Die Eisbärengefahr nimmt zu, da ein totes Walross gefunden wurde, das natürlich nicht nur uns neugierig macht, sondern auch die Prädatoren anlocken könnte. Dennoch nutzen wir die Gelegenheit und sehen uns das imposante Walross aus nächster Nähe an, bevor wir wieder in die Zodiacs einsteigen. Auf der Rückfahrt zur MV Sea Spirit haben wir noch die Möglichkeit, an die Insel Mathilda heranzufahren. Aufgrund der großen Vogelpopulation und den daraus resultierenden Ausscheidungen, die als natürlicher Dünger dienen, ist die Insel erstaunlich farbenfroh. Neben zahlreichen Grüntönen findet man auch rotbraune Farben, die im Licht zu leuchten scheinen. Als wir uns in Richtung Sea Spirit umdrehen, sehen wir, dass der Nebel erneut hereinbricht und das Wetter langsam umschlägt. Wir genießen noch einige Minuten die eindrucksvolle Geräuschkulisse der zahlreichen Krabbentaucher, Dreizehenmöven und Eissturmvögel, bevor wir uns in langsam größer werdenden Wellen auf den Rückweg machen.